Erste Lehrerinnen-Fortbildung auf dem Vauß-Hof

von Okt 4, 2021

An diesem Morgen im September scheint die Sonne in Salzkotten-Scharmede. Eine Gruppe von Lehrerinnen verschiedener Grund- und Förderschulen ist auf dem Weg zur WuselWiese, der naturerlebnispdädagogischen Spielfläche auf dem Vauß-Hof. Endlich startet die erste Lehrerinnenfortbildung der Hof-Akademie!

“Der Lernort Bauernhof als Chance für nachhaltige Bildung” – diese Fortbildung macht heute den Auftakt. Schon lange hatte ich als Naturerlebnispädagogin und Betriebsleiterin gemeinsam mit meinem Team geplant, mit der Eröffnung der Hof-Akademie auch Lehrerinnenfortbildungen anzubieten. Leider kam dann die Corona-Pandemie dazwischen. 

Aber jetzt geht es los. Mit dem Spiegel auf der Nasenspitze spazieren wir in der Karawane über die WuselWiese. Baumwipfelspaziergang! Die Perspektive ändern, sich von der Natur begeistern lassen, das erleben die Pädagoginnen heute nicht nur einmal.

Begleitet vom pädagogischen Team der Hof-Akademie lernen die Teilnehmerinnen die Grundsätze der Bauernhofpädagogik als Ausgangspunkt für eine kompetenzorientierte und fächersprengende Bildung kennen. Schnell ist auch Thema, welches Potenzial der Lernort für die Förderung sprachlicher und motorischer Fähigkeiten und sozialer Kompetenz bietet.  

Baumwipfelspaziergang und Baumbegegnung

„Ich hätte nicht gedacht, dass eine Lehrerinnenfortbildung so einen großen Mehrwert bieten kann“, sagt eine Teilnehmerin bereits nach den ersten zwei Stunden. Bis hierher ist das Programm schon vollgepackt mit Aktionen und Methoden, die Naturerfahrungen der besonderen Art ermöglichen.

“Man wird nur schützen, was man liebt.” ist einer der Leitgedanken des Vauß-Hof e.V., dem gemeinnützigen Verein, der diese Fortbildungen anbietet. “Und diese Liebe zur Natur zu entdecken, das möchten wir allen Kindern ermöglichen!”, hebt Marius Pötting hervor, Biobauer und Betriebsleiter des Vauß-Hofs.

Nach der Wiesen-“Fühlung” geht es zur Solidarischen Landwirtschaft auf den Gemüseacker. Allein die Erklärungen zum gemeinschaftsgetragenen Prinzip lassen die Teilnehmerinnen aufhorchen. Aber dann geht es los: Wer findet Karotte, Tomate und all die anderen Sorten? Eine Gemüse-Schnitzeljagd über das Feld beginnt. Sichtlich stolz präsentieren alle am Ende ihre Fundstücke. Es war nämlich gar nicht so leicht, Topinambur und Süßkartoffel zu entdecken! Ernährungsbildung mal ganz anders und vor allem mit allen Sinnen, das begeistert die Lehrerinnen, die sich schon über erste Ideen für ihre Schulen austauschen.

Regional und saisonal

Dann geht es zurück auf die Deele: Erstmal Mittagessen. Es gibt „Herbstauflauf“ aus Mangold, Kürbis und Kartoffeln, frischen Salat und Süßes zum Dessert. Verarbeitet wird nur das, was da ist. Prinzip Bio und Nachhaltigkeit, regional und saisonal.

Zwischen Tierbegegnung, Wiesenforschung und Ernte auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft sprudeln die Umsetzungs-Ideen nur so. 

Die intensiven Erfahrungen und Erlebnisse klingen nachmittags nach und im lebendigen fachlich-kollegialen Austausch mit Kolleginnen und Team fällt es dann leicht, Skizzen für eigene Unterrichtskonzepte und Projekte zu entwickeln. Vom Team reich gedeckte Tische mit Literatur, Materialien und Beispielen bieten weiteres Futter. 

„Ich bin in einer Doppelrolle hierhergekommen“, sagt Ina Maria Hartmann. Sie ist Lehrerin an einer Förderschule und lebt auf einem Bauernhof, „wir haben hier heute eine Fortbildung erlebt, die mich wirklich begeistert hat. Selbst ich als ausgebildete Bauernhof-Erlebnis-Pädagogin habe lauter neue Methoden kennengelernt, die ich am liebsten sofort selbst ausprobieren möchte!“

Ab 2022 sind die Grundschulen in NRW verpflichtet, die dann neu in Kraft getretenen Lehrpläne mit Inhalt zu füllen. Herausforderung und Chance zugleich! „Die weit formulierten Kompetenzerwartungen bieten die Freiheit, individuelle schulinterne Arbeitspläne zu entwickeln, die von vornherein fächerüberwindend und auf Kooperationen ausgelegt sind“, sagt Jutta, pädagogische Leiterin unserer Fortbildungsreihe für Lehrerinnen und Lehrer.

Dass der Lernort Bauernhof beispielhaft für den Sachunterricht ist, liegt auf der Hand. Doch was bietet er für die Themen der neuen „Praktischen Philosophie“? Auch darauf gibt es Antworten. Jutta hat selbst als Lehrerin lange an Grundschulen gearbeitet und kennt die Herausforderungen, mit denen Schulen konfrontiert sind. So gibt es für den Transfer des Erlebten und Erfahrenen in den Schulalltag praktische Hilfestellung. Wir machen erste Schritte hin zu einem Arbeitsplan, der den vielfältigen Anforderungen gerecht wird und am Ende ganz selbstverständlich auch die Themen der Querschnittsaufgaben berücksichtigt: Medien, Konsum und Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE).

Sowieso bilden die 17 BNE-Ziele den „Roten Faden“ nicht nur unserer Lehrerinnen-Fortbildung, sondern der gesamten Bildungsarbeit in der Vaußhof-Akademie. In der Feedbackrunde bringt es eine der Teilnehmerinnen auf den Punkt: „Die Bildung am Lernort Bauernhof ist wahre Bildung!“.

Unser Ziel

Wir wollten Lehrerinnenfortbildungen am Lernort Bauernhof neu denken, ihn mit seinem enormen pädagogischen Potenzial erfahrbar und erlebbar machen, die Bezüge zu neuen Lehrplaninhalten direkt mit einbinden. Entstanden ist ein Konzept, in dem es den Teilnehmerinnen leichtfällt, ihre unmittelbaren Erfahrungen in die eigene Schule, den eigenen Unterricht, die eigene Klasse zu transferieren.

Bis zur nächsten LehrerInnen-Fortbildung:

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